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DNX - Digitale Nomaden Podcast mit Marcus Meurer & Felicia Hargarten


Jul 24, 2015

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Interview mit Stefan Klumpp von Mobile Jazz

Willkommen zu einer neuen Folge von LifeHackz. Ich bin zurück aus Barcelona um jetzt in Berlin die DNX GLOBAL vorzubereiten. Ich hab euch aus Barcelona aber ein richtig spannendes Interview mitgebracht mit Stefan Klumpp. Stefan ist Gründer von einer Mobile App Development Agentur, die mittlerweile 20-30 Mitarbeiter hat und komplett ortsunabhängig geführt wird. Das heisst, Stefan ist ständig in der Welt unterwegs. Kennengelernt hab ich ihn ein paar Wochen vorher in Tarifa, er ist auch begeisterter Kitesurfer und wir haben uns in seinem Büro in Barcelona getroffen, um diese Podcast Folge aufzunehmen und über Stefans Leben zu reden, was nämlich richtig, richtig spannend ist. Die ganzen Shownotes zu dieser Folge findet ihr unter www.lifehackz.de/006 und jetzt viel Spaß mit dem Interview mit Stefan Klumpp. In dieser Folge lernst du:

  1. Wie man ein Unternehmen Remote führt.
  2. Warum du immer machen solltest was sich für dich richtig anfühlt.
  3. Wie man aus einem Camper heraus arbeitet.

Schreib mir an marcus@lifehackz.co, hinterlass eine kurze Bewertung auf iTunes und abonniere die Show!

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1.000 Dank, Dein Marcus

 

Shownotes

Mobile Jazz

[su_accordion] [su_spoiler title="Diese LIFE HACKZ Folge zum Nachlesen" icon="plus-square-1"] Marcus: Also wir sind jetzt hier in Barcelona. Hier war ein großes Event zum Online-Unternehmertum, wo auch der Stefan mitgemacht hat. Den Stefan habe ich glaube ich vor vier oder sechs Wochen in Tarifa das erste Mal getroffen. Und zwar in dem Digital Nomad Hotspot und jetzt sitzen wir hier in Deinem Büro, wo auch Deine Angestellten arbeiten. Wie ist das dazu gekommen, dass zu quasi zum einen in Tarifa unterwegs gewesen bist und Kitesurfen warst und zum anderen jetzt hier in dem Office sitzt und den ganzen Tag schwer beschäftigt bist? Stefan: Also wenn ich ganz weit ausholen soll, dann fing das eigentlich schon in der Schule an. Schule war gar nie mein Ding und die habe ich dann auch abgebrochen als ich dann 18 war. Ich habe in Deutschland eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker angefangen und habe das auch drei Jahre durchgezogen. Dann habe ich aber erst gemerkt, wie gerne ich eigentlich Elektronik am Computer mag. Ich habe davor schon als Jugendlicher schon viel mit Computern gespielt. Marcus: Ja aber nur gespielt oder hast Du auch ein bisschen programmiert? Stefan: Ich habe programmiert und auch ein bisschen mit Linux und allem rumgemacht. Und dann habe ich in Deutschland an der Fachhochschule angefangen zu studieren. Dadurch dass ich die Schule abgebrochen hatte, war das ein bisschen schwieriger. Ich habe natürlich die fertige Ausbildung und habe mich an verschiedenen Fachhochschulen beworben und eine hat mich dann auch akzeptiert. Von alle anderen habe ich nur Absagen bekommen. Das war die Fachhochschule in Ulm und da habe ich dann Fahrzeugelektronik angefangen zu studieren. Das wäre ein Studium von vier Jahren gewesen und habe aber nach einem Jahr schon angefangen, da ich eine sehr praxisorientierte Person bin, nebenbei in Ingolstadt für eine Supplier Firma von Audi zu arbeiten und Mikrokontrolle zu entwickeln. Also hauptsächlich Software und ein bisschen Elektronik. Marcus: Und das war im Grund ein typischer Studentenjob? Stefan: Ja erst war es ein Praktikum. Das erste Jahr im Studium habe ich im Sommer das Praktikum gemacht und dann war das als Werkstudent. Ich habe dann aber die meiste Zeit im Studium in Ingolstadt gearbeitet. Ich bin also immer hin- und hergefahren zwischen Ulm und Ingolstadt und habe mehr dort gearbeitet als ich eigentlich studiert habe. Und nach zwei Jahren im Studium kam mir eine interessante Möglichkeit auf, ich hatte mich sehr für Robotik interessiert? Marcus: Wann war das, welches Jahr? Stefan: Das war 2007. Dann habe ich die Stanford University in den USA angeschrieben. Marcus: Ohne Hemmungen oder Vorbehalte? Stefan: Ich habe einfach ein Video von denen gesehen über die Darpa Challenge. Das war ein selbstfahrendes Auto in der Wüste. Da habe ich gedacht, cool, das kombiniert alles was ich machen will: Software, Robotik, Automobil. Ich hab die dann also angeschrieben und der Great Manager hat mir dann auch zurückgeschrieben. Ich habe eigentlich mehr und mehr gefragt, was muss ich studieren um so etwas mitmachen zu können. Und der Lead auf der Elektronikseite hat mir dann zurückgeschrieben und wollte ein wenig mehr über meinen Backround wissen. Ich hatte schon meinen CV angehängt, aber sie waren überraschender Weise mehr an mir interessiert, weil ich einen Hintergrund als Fahrzeugmechaniker hatte. Ich kannte mich also mit Autos aus und ich kannte mich auch mit Software aus und hatte in der Praxis auch schon für Audi gearbeitet. Ich kannte somit also deren Systeme. Stanford hat zu dem Zeitpunkt mit Volkswagen eine Partnerschaft gehabt, was die gleiche Gruppe - also die gleiche Technolgie - ist. Die hatten halt das riesen Problem bei dem Projekt, dass eigentlich nur Akademiker dabei waren. Die waren gut mit der artificial intelligence um das zusammenzubauen, aber sie hatten halt niemanden, der sich richtig gut mit der Fahrzeugelektronik auskennt, wie das Gaspedal, Lenkung, Bremsen usw. anzusteuern. Jedenfalls hat er mir zurückgeschrieben und wir haben telefoniert, auch mit mehreren Leuten im Team und dann haben sie irgendwie gemeint: Komm rüber und mach mit bei uns. Marcus: Das ist ja cool. War das denn offiziell als Stipendium ausgeschrieben? Stefan: Das war nicht offiziell als Stipendium ausgeschrieben. Ich habe dann ein Studentenvisum bekommen über die Uni, aber es war mehr ein Research-Bereich. Die hatten die Stelle auch nicht ausgeschrieben. Das war mehr oder weniger Zufall, weil ich die angeschrieben habe und meinen CV mitgeschickt habe und es hat einfach gepasst. Marcus: Super coole Story. Das zeigt schon wieder, nur wer etwas versucht und macht und umtriebig ist und sich vielleicht auch nicht einschüchtern lässt von so einem krassen Namen, Stanford University. Dann wenn man dem Schicksal erst Gelegenheit gibt zuzuschlagen, dann kann auch etwas passieren. Das ist echt eine coole Geschichte. Stefan: Vor allem findet man ja auch alles im Internet. Also sämtliche Kontakte oder die Website des Projekts gab es im Internet. Ich habe da einfach mal wild drauf los geschrieben. Ich hatte ja weiter nichts zu verlieren. Ich wollte ja einfach nur Infos haben und dachte, vielleicht schreibt einer zurück, vielleicht auch nicht. Ja jedenfalls bin ich da rüber geflogen. Das war im Mai 2007. Das war zeitlich eigentlich schon recht knapp , weil im November 2007 war die Challenge von der Darpa, das ist das U.S. Verteidigungsministerium oder der Forschungsarm davon. Wir hatten dann auch recht viel Stress. Ich war auch voll in das Projekt involviert und habe zu dem Zeitpunkt auch gar nichts anderes gemacht. Das war auch hoch interessant. Marcus: Bist Du denn da gut reingekommen aufgrund Deiner Vorkenntnisse? Stefan: Ja total. Also sie haben zwar gemeint, sie bräuchten mich oder jemanden mit meinen Skills aber die hatten schon sehr viele Fortschritte gemacht in den letzten Jahren. Es gab ja schon vorher Projekte, aber da wo es noch richtig gefehlt hatte, war halt die Verknüpfung von der Artificial Intelligence mit dem Auto. Wir hatten natürlich auch Hilfe von Volkswagen selber. Die hatten ein paar Ingenieure dabei und ich war halt ständig 100% vor Ort. Die Competition selber war dann im November. Wir waren dann auch recht gut dabei und haben als zweite abgeschnitten. Wir hatten 1 Mio. Dollar Preisgeld gewonnen. Davon habe ich natürlich nie etwas gesehen. Das ging alles wieder zurück in die Forschung, aber es war eine super Referenz für mich. Wir sind mit dem Auto auch im Museum in Washington vertreten. Da ist ein Bild mit Name von mir drin. Also wenn alles andere im Leben schief geht, dann kann ich das meinen Enkeln zumindest erzählen. Marcus: Ja oder mit nach Washington nehmen und das Auto zeigen, ne? Ja, das ist ja eine krasse Story. Stefan: Ja, das ging ja nach der Competition noch ein bisschen weiter. Da habe ich dann an ähnlichen Projekten in der Forschung gearbeitet. Auch nur mit Fahrzeug, Elektronik und hauptsächlich Stabilisierung an Fahrzeugen bei Hochgeschwindigkeit. Teilweise auch seitwärts fahren auf einem Race Track. Zu Weihnachten hat mich ein Freund, er ist österreicher und war auch in Kalifornien, nach Mexiko mitgenommen. Ich hatte mir dann überlegt, ob ich Weihnachten zu meinen Eltern Heim fliege oder ob ich lieber in Amerika feiere. Und er hat mich dann nach Mexiko mitgenommen und hat mir das Kitesurfen gezeigt. Und das hat mich so gepackt, dass ich dann auch vier, fünf oder sechs Monate länger in den USA war, als nur Stanford. Marcus: Wo genau hast Du in Mexiko Kiten gelernt? Stefan: Das war in La Ventana. Das ist in New Kalifornien, also weiter runter am letzten Ende von Kalifornien. Also der mexikanische Teil von Kalifornien: Baja California. Marcus: Okay, also Westküste unten. Ja das kann ich natürlich gut nachvollziehen, wie sehr einen das packen kann. Stefan: Ja und dann war ich so extrem fasziniert davon, dass ich eigentlich gesagt habe, das möchte ich weiterhin machen. Ich habe nicht wirklich einen Plan, aber ich habe dann alles zusammengepackt und bin dann Maouhi geflogen mit meinem Equipment und habe dann ein paar Monate auf Nui gelebt und im Prinzip eigentlich nur Kite gesurft. Marcus: Hast Du denn von vorher Gespartes gehabt? Stefan: Ein bisschen was. Ich hatte auch an der Uni relativ gut verdient. Ich glaube in Deutschland als Student bekommt man nicht so viel wie in den USA. Zumindest im Sillicon Valley. Für die war ich ein Engineering Talent und da habe ich als Student schon sehr gut verdient. Da hatte ich also ein bisschen was gespart aber nicht viel. Ich bin aber ein sehr minimalistisch lebender Mensch und habe auch viel Zeit einfach im Zelt oder am Strand verbracht. Da ist es ja sehr warm. Zum Frühstück gab es Mango und Bananen kostenlos und zwischendurch waren wir auch im Hostel. Wir haben uns auch mit ein paar Freunden zusammen ein Auto gekauft und dadurch, dass ich Kfz-Mechaniker bin haben wir das ein bisschen gefixt und am Ende sogar mit Gewinn wieder verkauft. Marcus: Cool. Das war also ein halbes Jahr auf Maohi? Stefan: Ja, ungefähr ein halbes Jahr. Marcus: Und in dieser Zeit hast Du auch nichts anderes gemacht als quasi Deine Leidenschaft ausgelebt, das Kitesurfen und hattest jetzt vielleicht auch nicht diesen Druck, den man hier vielleicht in Deutschland hat, auch gerade nach der Uni, wo es heißt, es muss Zack Zack hinter einander gehen. Abschluss, erster Job und dann musst Du direkt in den Beruf rein, ansonsten bist Du schon wieder zu alt und “verplemperst” Deine Zeit? Stefan: Nein das hatte ich noch gar nicht. Ich meine, deswegen hatte ich auch die Schule abgebrochen. Ich hatte nie die Ambition für Karriere. Zwischendurch nach der Kfz-Mechaniker Ausbildung hatte ich vielleicht ein bisschen davon. Da wollte ich unbedingt für Porsche arbeiten, frag mich nicht warum. Das habe ich aber in den USA wieder komplett verloren und auf Maohi dann sowieso. Als ich mit Maohi dann fertig war, dann bin ich kurz zurück zu meinen Eltern und habe dann recht viel von meinen Sachen weggegeben, weil ich einfach happy war mit dem minimalistischen Lebensstil und habe dann aber auch überlegt, was ich jetzt weiter mache und wollte das Studium noch durchziehen. Glücklicherweise bin ich auf die Uni in Edinburgh in Schottland gestoßen. Und die möchten gerne, dass mehr Leute nach Schottland kommen und haben mich dann auch einfach akzeptiert. Die haben auch die Credits von Deutschland genommen und auch das was ich in den USA gemacht habe - auch wenn das kein richtiges Studium war, sondern mehr research - und haben dann gesagt: Du musst jetzt noch mal ein Jahr studieren und bekommst dann den Abschluss. Das habe ich dann auch mehr oder weniger durchgezogen. Damals hatte ich eine Freundin in Miami. Da bin ich dann im Winter wieder rüber, weil es mir in Schottland im Winter zu kalt war. Und dann zum Abschluss wieder zurück. 2009 hatte ich dann auch den Abschluss, wollte dann aber auch nicht wirklich arbeiten und hatte wieder ein bisschen Geld angespart und hatte zu dem Zeitpunkt auch ein Auto. Dann bin ich erst noch mit Freunden quer durch Schottland gefahren. An der Küste entlang besser gesagt. Marcus: Ganz kurz. Du hast auch echt nie das Umfeld so nah an dich herangelassen, dass Du eigentlich seitdem Du 18 gewesen bist und die Schule abgebrochen hast, Dir immer sicher warst: Das ist der Weg für mich. ich gehe lieber nach meinen Leidenschaften oder nach Happiness oder was mich wirklich erfüllt und lasse mich in keinster Weise beeinflussen. Das finde ich echt beeindruckend. Ich weiß wie schwer das ist. Stefan: Ich glaube nicht, dass ich das bewusst gemacht habe. Also es gibt für mich einen krassen Punkt als Jugendlicher. Ich kann Dir davon ein bisschen erzählen. Ich weiß nur nicht jetzt, oder ein bisschen später? Marcus: Gerne jetzt. Stefan: Ich bin eine Person, die sehr introvertiert ist. Ich verbringe viel Zeit alleine, ich lese sehr gerne, habe auch - wie schon gesagt - früher gerne an Computern rumgebastelt. Mir war das aber nie so bewusst, dass mich das glücklich macht. Als Jugendlicher hat man halt viele Parties oder Geburtstage, wo man trinkt oder Disko und so Sachen. Ich habe das auch mitgemacht, aber ich war total unglücklich. Und das war mir damals nie bewusst, dass ich das war. Und irgendwann gab es einen Punkt, da habe ich das geschnallt. Da habe ich gemerkt, das macht mich nicht glücklich. Ich habe ab dann gesagt, ich mache jetzt das, was ich will und habe weniger Zeit mit meinen Schulfreunden verbracht aber mehr Zeit mit meinen Online-Freunden. Das war auch der Zeitpunkt, wo Internet in Deutschland in den Haushalt kam. Marcus: Ja, noch über die Compuserve Einwahl Nummern oder die AOL CDs? Stefan: Ja richtig. Und dann im IRC Chat. Da habe ich auch richtig coole Freunde gefunden. Oft auch ältere von denen ich auch viel gelernt habe. Teilweise Technologie-Sachen aber auch deren Lebenseinstellung und solche Dinge. Das hat mich halt sehr geprägt muss ich sagen. Marcus: Und das war so in Deinen Teenager-Zeiten mit 15, 16, 17, 18, wo andere sich austesten auf Parties? Stefan: Ja, das hat schon früh angefangen eigentlich. Meine Eltern hatten ein Autohaus und einer unserer Mitarbeiter war sehr gut mit Computern und hat Software auch selber geschrieben und der hat mir als ich zehn war schon Sachen gezeigt. Und ich selber hatte meinen ersten Computer mit 13 oder 14. Da hat das dann alles richtig angefangen. Marcus: Was war das für einer? Stefan: Das war ein 486er noch. Marcus: Ja okay. Wie viel MB RAM hatten die noch, 16 oder so? Stefan: Ja, wenn nicht sogar weniger, ich glaube sogar 8. Marcus: Ja, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Ich hatte glaube ich auch einen Amiga 500 mit einer Speicherleitung auf 1 MB und das war irgendwie das größte der Gefühle, was man damals haben konnte. Wenn man das mal mit heute vergleicht. Ja cool, also wir waren an dem Punkt, dass Du in Edinburgh fertig studiert hast? Stefan: Genau. Und wie gesagt, ich hatte da immer noch nicht das Gefühl, dass ich weiter arbeiten wollte und hatte ein bisschen was angespart. Ich wollte dann erstmal einen Europa-Roadtrip machen. Ich wollte dann von Schottland mit der Fähre nach Holland, dann über Belgien, Frankreich, dann kurz bei meinen Eltern nach Deutschland. Dann Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich, Spanien am Mittelmeer entlang. Dann Spanien runter bis nach Portugal. Und dann an der Atlantikküste wieder zurück nach Deutschland. Dann hatte ich mir gesagt: Wenn ich das fertig habe, finde ich nach drei Monaten einen Job in Deutschland und dann so das Übliche, was jeder macht. Marcus: Gab es dann damals noch Deine Freundin in den Staaten? Stefan: Dann gab es da schon wieder eine andere Freundin, die auch in den Staaten war. Die ist dann auch sogar mitgekommen. Es hat auch alles super geklappt. Das war genial. In den Alpen war es super, dann am Mittelmeer entlang. Das Highlight war Barcelona und ich hab es dann auch nicht weiter geschafft, als bis Barcelona. Ich war dann erst so für ein paar Tage hier und habe dann verlängert auf zehn Tage. Daraus wurde dann ein Monat. Dann ist meine Freundin wieder in die Staaten zurück geflogen. Ich bin etwas länger geblieben und es hat mir super gefallen. Irgendwann ging mir dann das Geld aus. Dann kam mir aber glücklicherweise Steve Jobs zu Hilfe. Er hat nämlich das iPhone erfunden. Also im Prinzip schon ein oder zwei Jahre vorher, aber das war dann der Zeitpunkt als dann das Development Kit rauskam. Marcus: Sprich, dass man dann für den App-Store… Stefan: … Apps entwickeln kann für das iPhone. Ja, dann war ich halt hier unterwegs in Develop-Communities, einfach weil es mich interessiert hat. Weil ich mich schon immer für Development interessiert habe. Aber nie wirklich mit dem konkreten Ziel damit zu arbeiten. Aber es kam dann halt immer mehr auf Firmen oder Leute auf mich zu, die jemanden suchen, der Apps entwickelt. Und ich konnte das zwar nicht, aber ich hatte ja nicht wirklich was zu tun und habe mir das ganze einfach mal angeschaut. Zuerst Android eigentlich und später dann iOS Development. Marcus: Das heißt,der Play Store war ungefähr zeitgleich offen mit dem App Store? Stefan: Ich glaube der App Store war schon zuerst, aber ich weiß es nicht zu 100%. Ich habe auf jeden Fall mit Android Development angefangen, aber iPhone Development kam nur zwei Monate später. Marcus: Sind das denn zwei verschiedene Sprachen? Stefan: Ja die Sprachen sind komplett unterschiedlich, von den tray marks. Ich habe so meinen ersten Job bekommen. Dort habe ich dann ein Jahr lang für ein Start-up Apps entwickelt. Sowohl die Android-Version als auch die iPhone-Version. Die haben das Produkt dann aber eingestellt und dann habe ich weiter als Freelancer gearbeitet. Marcus: Wie sind die auf Dich aufmerksam geworden? Stefan: Das ging einfach über Kontakte, die ich hier gefunden hatte. Wie gesagt, jeder hat Entwickler gesucht, aber es gab einfach keine. Das war komplett neu. Es haben halt welche angefangen das zu lernen, aber genau so habe ich das angefangen zu lernen und ich hatte nie eine Informatikausbildung. Aber ich hatte im Studium ein bisschen Software-Entwicklung und als Jugendlicher schon viel entwickelt und deswegen bin ich da recht einfach reingekommen. Mich hat das dann einfach interessiert. Marcus: Und worüber konnte man sich das zu der Zeit aneignen? Haben da die Tutorials von Apple und von Goolge selber gereicht? Stefan: Ja, es gab zu dem Zeitpunkt nichts anderes. Nur das was Apple Google zur Verfügung gestellt hat. Viel rumspielen, austauschen, Foren usw. So hat sich das halt entwickelt. Ich war einer der ersten Developer weltweit, aber definitv einer der sehr, sehr ersten hier in Barcelona. Und so habe ich mir einen Namen gemacht. Nach deren Start-up habe ich halt als Freelancer gearbeitet und dann hat mich ein anderes Start-up eingestellt. Das war ein frisches Start-up mit Office hier in Barcelona. Da wurde ich dann mehr oder weniger CTO und habe auch angefangen andere Leute anzustellen. Letzten Endes ging die Firma auch Bankrott und ich habe dann Mobile Jazz gegründet mit einem, den ich da eingestellt hatte, meinen Business Partner jetzt. Ich habe auch andere Mitarbeiter von dort zu Mobile Jazz übernommen. Marcus: Und wie seit ihr auf den Namen Mobile Jazz gekommen? Stefan: Mobile ist ja offensichtlich. Wir waren am Anfang eigentlich drei Gründer. Einer ist aber gleich ausgestiegen, weil er die Zukunft nicht sah in dem Ganzen. Marcus: (lacht) Er beißt sich jetzt vielleicht in den Hintern. Stefan: Wahrscheinlich. Er hatte eigentlich den Jazz-Flair reingebracht. Das hatte uns aber allen gut gefallen und es hat gut geklungen. Marcus: Und damals, als Du dann für die verschiedenen Start-ups angestellt gewesen bist und Deine ersten Gehversuche als Entwickler, Developer gemacht hast, das hat sich nicht falsch und schlecht angefühlt, dass Du da schon wieder überlegt hast, wo Du wieder ausbrechen könntest oder Kitesurfen fahren oder einen Roadtrip machen. Stefan: Nein zu dem Zeitpunkt eigentlich nicht weil ich extrem schnell gewachsen bin. Was ich an meinem Leben sehr gerne mag ist neue Dinge lernen, Sachen ausprobieren. Und das hatte einfach gepasst. Einmal habe ich erst die Softwareentwicklung gelernt und dadurch, dass ich dann CTO war, habe ich andere Sachen von der Firma gelernt: wie man Leute einstellt, wie man Projekte managed. All das war super interessant für mich. Am Anfang waren wir also bei Mobile Jazz zu dritt und dann - wie gesagt - runter auf zwei. Dann haben wir unsere ersten zwei Mitarbeiter eingestellt und das waren dann auch Leute, die ich von der vorherigen Firma kannte. Dann kam es einfach nach und nach. Erst kamen viele in mein persönliches Netzwerk rein, auch in den USA. Das ist natürlich ein Vorteil, wenn man im Sillicon Valley gelebt und das Netzwerk dort aufgebaut hat, das ist unglaublich gut. Später dann, oder inzwischen eigentlich viel über Mobile Jazz als Brand Cyber. Also wir haben einen extrem guten Markennamen. Wir haben gar keine Sales People. Keiner der Verkauf oder Vertrieb macht bei uns. Das geht alles über Referrals. Wir haben im Prinzip gute Qualität und das spricht sich rum und jeder ist damit zufrieden und gibt uns auch neue Projekte. Marcus: Cool, ich glaube die Situation hätten gerne viele Unternehmer, die das gerade hören. Was ihr aber auch macht ist Content Marketing und schreibt, glaube ich, auf eurem Blog. Gerade auch, weil es so outstanding ist, wie ihr als Remote-Firma funktioniert und arbeitet oder welche Tools ihr benutzt. Stefan: Das hat eigentlich erst so im letzten Jahr angefangen und das war eher zufällig. Die ganze Firma baut ja auf meiner Philosophie auf, wie ich mein Leben vorher gelebt habe als Lifestyle Firma. Und wir machen halt vieles. Prinzipiell kann jeder Mitarbeiter bei uns in der Firma so viel arbeiten wie er möchte. Sofern das mit den Deadlines vereinbar ist oder auch von wo aus er arbeiten möchte. Da haben wir halt irgendwann mal gesagt: jetzt gehen wir nach Thailand und mieten uns da zwei Häuser und sind dann auch rüber gefahren. Das war im November letzten Jahres. Auf Koh Samui war das. Da haben wir dann einen Monat verbracht. Tagsüber gearbeitet. Ich und paar Andere haben viel Yoga gemacht. Wir waren unterwegs und haben zu den Nachbarinseln Trips gemacht. Von dem Erlebnis haben wir dann einen Blog Post geschrieben und haben das Ganze erklärt, wie wir das aufgesetzt haben, wie wir das geplant haben und wie es dann wirklich war. Weil das hört sich natürlich immer alles toll an, aber es ist ja auch nicht immer alles so einfach. Mit dem Blog Post hatten wir dann innerhalb von zweit Tagen 30.000 Visitors. Das war so das erste Mal, dass wir Content Marketing gemacht haben. Das muss ich aber sagen, bringt gar nicht soviel, dass wir auch neue Projekte bekommen. Es hilft beim Brandbuilding, dass die Leute Mobile Jazz als Namen kennen, aber es hat uns extrem viel gebracht mit Leuten, die für uns arbeiten wollen. Wir haben jetzt eine mega lange Liste an Applications. Marcus: Das kann ich mir echt gut vorstellen. Mittlerweile ist es ja auch so, dass einige Unternehmen auf Felicia und mich zukommen und sagen, die wollen verstehen, was da gerade passiert. Gerade auch in unserem ortsunabhängigen Arbeitsumfeld; was die digitalen Nomaden antreibt; dass die Unternehmen die Leute nicht mehr über die Kohle kriegen oder über das fette Auto, sondern irgendwie haben die andere Werte. Und ich glaube auch diese Generation Why, die jetzt nachkommt. Und da versuche ich den Unternehmen auch immer wieder klar zu machen, dass es eigentlich das wichtigste Esset sein kann für die Zukunft, gerade im War for Talents, wenn es da um Entwickler geht, oder um Programmierer oder um CTOs, die sich im Grunde den Arbeitgeber aussuchen können. Dass es dann darum geht, den Leuten Freiheit zu geben von überall zu arbeiten und auch nicht von 9 to 5 im Office zu sitzen und nicht mehr die Facetime zu haben sondern dann ganz andere Capy Eyes aufsetzt. Stefan: Wir haben auch gerade einen ganz interessanten Fall. Wir sind also finanziell recht gut aufgestellt und zwar auch mit unseren Mitarbeitern. Extrem gute Gehälter, vor allem für Spanien. Nichtsdestotroz können wir immer noch nicht mit Facebook oder Google konkurrieren, von den Gehältern her. Aber wir haben Leute, die werden abgeworben, wollen dann aber letzten Endes doch bei uns bleiben, obwohl sie weniger verdienen, weil sie die ganzen Freiheiten haben und den ganzen Lifestyle. Marcus: Ja, das kann ich mir vorstellen. Das wird auch immer wichtiger werden. Es gibt jetzt die ersten Unternehmen, die das verstanden haben. Wie die Macher oder Automatic oder ihr. Das sieht man auch, dass die die besten Mitarbeiter im Team haben. Und auch andere anziehen, die irgendwo anders, vielleicht sogar bei Google oder Facebook arbeiten, die dann aber auch sehen, das kann es ja irgendwie nicht sein. Das was vor zehn Jahren noch cool war mit nur einem Kindergarten und Fitnessstudio und Kicker und ich glaube, ihr habt auch Super Mario Cart hier auf der Playstation. Das ist ja mittlerweile fast Standard. Jetzt geht es schon darum irgendwie wieder ein Level weiter zu gehen. Das habt ihr glaube ich sehr gut und sehr früh erkannt. Gerade auch dank Dir! Stefan: Wie gesagt, in meinem Leben war alles nie wirklich geplant oder durchdacht. Ich habe einfach nur das gemacht, was sich einfach gut angefühlt hat. Ohne groß darüber nachzudenken. Ich hatte nie wirklich etwas zu verlieren oder kein Risiko. Ich hab es einfach gemacht, weil ich dachte, das ist cool, das mache ich jetzt. Marcus: Das heißt, theoretisch können Deine Mitarbeiter von überall auf der Welt arbeiten, sind aber auch gerne hier im Büro, um eine feste Struktur zu haben? Stefan: Ja, das kommt ganz auf deren Einstellung an. Also jeder kann theoretisch arbeiten von wo er will. Manche machen das auch. Manche haben aber Familie oder ihre Freunde hier in Barcelona und die kommen einfach gerne ins Office, weil man sich gerne austauscht. Auch würden viele die Zeit nutzen und die Freiheit, die sie haben. Aber es macht natürlich auch keinen Spaß Dinge allein zu tun. Deine Freunde stecken halt im ganz normalen Job drin. Das heißt, die einzige Zeit mit Deinen Freunden ist abends oder am Wochenende. Das heißt, Du arbeitest auch viel in den normalen Zeiten. Aber trotzdem kannst Du, wenn Du mal irgendwann zum Doktor musst oder musst irgendwas erledigen, dann kannst Du Dir einfach mal Zeit nehmen und holst es dann am Abend oder am Wochenende wieder auf Marcus: Das heißt, was für Cappy Eyes hast Du dann zusammen mit Deinem Business Partner aufgesetzt für die Projekte? Gibt es dann bestimmte Milestones, die dann zu einem bestimmten Termin oder Datum geschafft werden müssen? Wie regelmäßig wird das angepasst oder überprüft? Stefan: Das ist schwierig zu sagen. Wir haben unterschiedliche Projekte von ganz kleinen Firmen oder Leuten die zu uns kommen und MVP wollen bis zu richtig großen internationalen Firmen. Eine generelle Regel gibt es eigentlich nicht. Was wir jetzt firmenintern machen ist, dass wir jeden Montagmorgen haben wir zusammen einen Call und die, die nicht im Office sind, gehen über die Videokonferenz rein, alle anderen halt remote. Und das ist mehr so Learning Experience, wo jeder zwei Minuten erzählt, was seine Learning Experience von letzter Woche war. Das kann irgendetwas technisches sein oder allgemein Berufs- oder Arbeitsbezogenes. Oder auch einfach irgendetwas Privates, wenn sie etwas cooles gesehen oder gelernt haben. Und da tauschen wir uns einfach aus. Was wir am Ende der Woche machen, dass jeder in einem Scratch-Sheet reinschreibt, was der Status seines Projektes ist. Wir haben auch gar keine Struktur in dem Sinne, dass wir Manager haben. Wir sind jetzt über 25 Leute, aber trotzdem gibt es eigentlich niemanden, der einem übergestellt ist. Wir haben zwar ein paar bestimmte Leute, die bestimmte Rollen und kümmern sich eher um die Weiterentwicklung des Teams, also mehr Education oder bestimmte Sachen im Office. Aber im Prinzip kann jeder bei uns Projektmanager sein. Das kommt bei unseren Kunden auch extrem gut an, weil wenn sie von anderen Firmen zu uns rüberwechseln, ist es hauptsächlich deswegen, dass halt der Projektmanager keine Ahnung davon hat, was eigentlich gemacht wurde. Bei uns ist halt wirklich jeder Projektmanager und Ingenieur oder Softwareentwickler und hat wirklich Ahnung und ist involviert in dem Projekt. Und das kommt super gut an. Marcus: Ja, das ist echt viel wert. Ich hab das auch selber miterlebt, gerade in der Start-up Szene in Berlin, als ich da unterwegs war, dass gerade die Leute, die dann vermeintliche Head-Off Positionen haben oder C-Level Positionen hatten, ziemlich schnell reingekommen sind ohne dass sie dann dieses Technische oder Operative einmal gelernt oder Google Adwords Konto von innen gesehen haben. Und die wollten Dir dann erklären, wie man es am besten macht, obwohl Du es als operative Person ganz genau wusstest, das ist nicht der richtige Weg. Und das war echt immer schwierig. Gerade auch im Start-up, wo die Menschen dann mehr oder weniger gleichaltrig sind und viele junge Menschen da waren. Das hat mich selber so ein bisschen gestört. Stefan: Was wir auch noch machen, was vielleicht noch ganz interessant ist, wir teilen den Gewinn der Firma mit unseren Mitarbeitern. Wir haben da einen Buffer für die schlechteren Zeiten, aber wenn es wirklich gut läuft, dann gibt es jedes Quartal eine Gewinnbeteiligung für jeden Mitarbeitern. Wir haben ein Gremium von sechs Leuten. Das sind mein Business Partner und ich plus vier andere, die schon am längsten in der Firma arbeiten. Wir stimmen dann halt ab, wie viel anteilsmäßig jeder Mitarbeiter bekommen soll. Also prinzipiell verdient jeder gleich in der Firma, egal was er macht. Da haben wir ein Grundgehalt. Marcus: Egal wo er dann lebt oder herkommt? Oder wie hoch die Costs of Living sind? Stefan: Genau. Wir haben halt die Philosophie, dass sich jeder selber aussuchen kann, wo man leben mag. Ja, da gibt es halt die Gewinnbeteiligung am Ende des Quartals und das ist halt darauf bezogen, inwiefern sich jemand in die Firma integriert und mitgeholfen hat. Das sind nicht immer direkte Sachen, also er hat das Projekt vermittelt oder er hat das Projekt so und so viel unter Budget gemacht, aber da können andere Sachen reinkommen, wie zum Beispiel er hat sich drum gekümmert, dass das Office sauber ist oder er hat ein Barbecue organisiert oder er hat ein Wochenende in den Bergen organisiert, oder alles, was irgendwie zur Happiness der Firma beiträgt kommt da mit rein. Marcus: Cool. Gibt es da Mission Statement oder eine Vision, die für die Mobile Jazz steht? Stefan: Wir haben etwas, das heißt “Optimizing for Happiness”. Das kam aber eher aus einem Topf von mir, den ich gegeben habe. Der hieß ursprünglich “Optimizing for Happiness rather than Profit”. Also das ist eine Entscheidung, die wir treffen eigentlich mehr darauf beruht, unsere Kunden glücklich zu machen anstelle von wirklich den Gewinn zu maximieren. Das haben wir dann reduziert auf “Optimizing for Happiness”. Das ist so ein bisschen unser Mission Statement geworden. Marcus: Ja, ich denke das passt auch mega gut zu euch und eurer Einstellung. Ich glaube, das zeigt auch wieder - es gibt den Spruch: Money will follow. Wenn Du irgendetwas machst, wofür Du passioniert bist und dann auch drei Mal mehr gibst, als Du nimmst, dann ist es immer so, dass notgedrungen irgendwann das Geld dann auch von selbst kommen wird. Stefan: Ja, und ich mache auch noch so viel, was eigentlich unbezahlt ist. Das heißt für Kunden, die Fragen an mich haben und Consulting brauchen. Andere Firmen würden da irgendwie mega hohe Stundensätze verlangen und ich mache das eigentlich fast immer kostenlos. Einfach weil es mir spaß macht und weil ich gerne den Leuten helfe und sehe, dass da Probleme sind und sie da irgendetwas nicht richtig machen. Das kommt halt irgendwie immer zurück. Auch in den Communities in denen ich unterwegs bin oder bei Freunden. Das ist einfach viel Zeit, die ich kostenlos hergebe. Das kommt immer mehrfach zurück. Also da bin ich nie enttäuscht von. Marcus: Da bin ich mir absolut sicher und habe es auch oft genug gemerkt. Je mehr Du da hilfst, gerade Communities und ohne zu überlegen, wann Du das wiederbekommst, oder warum man das macht, sondern einfach weil Du da Spaß dran hast, dann kommt das auch irgendwann alles auf Dich zurück. Wie hast Du Dich persönlich aufgestellt? Wenn Du reist oder nicht reist? Wie lange bist Du dann in den einzelnen Offices? Ihr habt ja nicht nur eins in Barcelona, oder? Stefan: Barcelona ist das einzige Office, was 100%-ig uns gehört. Wir haben dann in Dubai noch ein Office, aber das ist eine Partnerschaft bzw. wir haben da in eine Firma investiert und nutzen deren Office mit. Marcus: Ist das auch eine App-Firma? Stefan: Nein, das ist keine App-Firma, sondern ein Produkt. Ein Teil des Produktes ist eine App. Das ist dann teilweise auch entwickelt mit der Regierung von Dubai. Das ist also ein Projekt für Education und die Universitäten. Da haben wir also ein super cooles Office. Dort heißt es “Dubai Technologie Entrepreneurship Center”. Das gibt es aber auch erst seit ein paar Monaten. Und in München haben wir noch ein Office, was aber auch mehr ein Office von Freunden von mir aus der Firma ist. Das nutzen wir halt mit. Marcus: Das heißt also theoretisch kann jeder Mitarbeiter auch in das Office nach Dubai oder nach München gehen, wenn er möchte? Stefan: Genau und wir haben auch ein super Verhältnis mit unseren Kunden weltweit. Ich sagen denen auch immer wieder: Wenn ihr wollt, kommt gerne mal bei uns im Office vorbei oder kommt zu uns nach Barcelona. Viele kommen dann auch zu uns nach Barcelona. Marcus: Ja, das glaube ich. Das klingt auch total nach neuer Welt. Auch das was wir da propagieren und versuchen rüberzubringen auf unseren Events. Das macht einfach keinen Sinn mehr, in verstaubten Offices zu sitzen von 9 to 5 und die Mitarbeiter da mehr oder weniger an die Bürostühle zu ketten. Solange die Firmen es so weiter vorleben, kann man auch die Kunden nicht ändern und umso schöner ist es zu sehen, dass die Kunden sich bei euch so drauf einlassen und genauso mitziehen und denen das genauso viel Bock macht, wie euch glaube ich, oder? Siehst Du da irgendwie einen Trend oder vielleicht eine Entwicklung, dass Du das Konzept heute vielleicht gar nicht mehr so oft erklären musst, wie vielleicht noch vor zwei Jahren oder wann ihr angefangen habt? Stefan: Ich glaube, da gibt es schon einen Trend, aber es wird sich in der professionellen Welt oder in der Firmenwelt sehr langsam entwickeln. Nicht nur wegen den Firmenführer selber, sondern auch wegen den Angestellten. Damit das Ganze funktioniert, muss ich zunächst einmal die Einstellung haben und meinen Mitarbeitern das Vertrauen geben. Andererseits müssen sie das auch bestätigen. Es gibt einfach noch viel zu wenige Angestellte, die wirklich die Firma leben und sich für die Firma engagieren. Also die arbeiten ihre Zeit ab und dann gehen sie halt Heim. Egal ob jetzt etwas wichtiges anliegt oder nicht. Und das muss ich halt ändern. Also bevor sich die Angestellten nicht ändern, können auch die Arbeitgeber nicht viel mehr Freiheiten geben, weil sie einfach selber schauen müssen, dass Sachen ordentlich erledigt werden. Dann brauchen sie Hierarchie und Prozesse und das alles. Marcus: Ja, das ist glaube ich auch die größte Angst und die größte Sorge der Arbeitgeber, dass die Mitarbeiter dann nicht mehr so arbeiten, wie sie das in ihrer Wunschvorstellung gerne hätten. Und das ist dann so ein Henne-Ei Problem. Weil einer macht keine Zugeständnisse, der zweite möchte auch keine machen und dann ändert sich halt gar nichts. Stefan: Ja, und das ist hier in Spanien zum Beispiel ganz krass. Da gibt es eigentlich fast keine anderen Firmen, mir ist zumindest keine bekannt. Wenn man mit Leuten redet - also die meisten Angestellten schimpfen ständig über ihre Arbeitgeber aber wenn man dann fragt, was sie so machen, dann reden sie halt die ganze Zeit davon, wie sie fünf Stunden am Tag Youtube schauen oder im Facebook sind. Also da schenkt sich keiner was und das Resultat ist hat eine Lose-lose Situation und keine Win-Win Situation. Marcus: Wie läuft das denn? Du sagst, ihr habt mittlerweile viele Bewerber. Machst Du das Recruiting oder den Onboarding Prozess? Stefan: Ich habe das am Anfang fast komplett selber gemacht. Mir war das sehr wichtig. Ich habe dann auch immer aus dem Bauchgefühl heraus Leute angestellt und bin damit sehr gut gefahren. Inzwischen habe ich das aber an einen Mitarbeiter weitergegeben von dem ich finde, dass er es noch besser macht. Ich mache das also bei allen Sachen immer so. Wenn ich sehe, dass jemand etwas besser kann als ich, dann gebe ich das sehr gerne ab. Weil dann habe ich weniger zu tun und der andere ist meistens auch glücklicher. Und das Ergebnis ist dann sowieso besser, wenn der andere das besser kann als ich. Marcus: Und wie stellt ihr sicher, dass der Team-Fit da ist? Lernen die sich vorher kennen, bevor es einen Vertrag gibt? Gibt es eine Probezeit? Stefan: Wie gesagt, viel geht aus dem Bauchgefühl heraus. Oft sieht man schon, dass sich eine kleine Freundschaft entwickelt, einfach nur im Interview. Und die meisten Leute kommen auch über Kontakte. Sie sind dann schon Freunde von Mitarbeiter oder von deren Freunden. Wir haben eine lange Liste von direkten Kontakten, die gerne bei uns arbeiten möchten. Die Sache ist, wir waren auch schon mal größer als Firma, und haben halt gemerkt, dass es ab einem bestimmten Zeitpunkt schwierig wird mit keine Hierarchie zu haben. Dann haben wir eine Hierarchie eingeführt für zwei Monate und haben das dann wieder weggeworfen. Wir haben uns gesagt, wir bleiben lieber kleiner. Marcus: War das dann eine klassische Top-Down Hierarchie? Stefan: Ja, ich weiß auch nicht mehr so genau, wie wir das damals gemacht haben. Also wir hatten nicht wirklich Plan. Wir haben einfach nur ein paar Sachen ausprobiert und dann wieder etwas anderes ausprobiert und haben dann irgendwann gesagt: Okay wir gehen einfach wieder zurück. Das war cool ohne Hierarchie und es ist nicht wichtig, dass wir noch mehr Kohle machen, sondern wir wollen einfach wieder den Lifestyle haben. Und das war der Grund, weshalb wir dann wieder zum alten Modell zurückgegangen sind. Marcus: Ja, spannend. Der eine Punkt den Du gerade erwähnt hast, dass oftmals Bekannte oder Freunde aus dem direkten Umfeld von Mitarbeitern sind, ist für eine Company Culture immens wichtig. Das betont zum Beispiel auch Gary Vaynerchuck immer wieder, dass er am Anfang, als er seine Medienagentur aufgebaut hat, nur enge Freunde eingestellt hat und mindestens Freunde von guten Freunden von ihm. Ich glaube schon, dass es so ist, dass man mit den Leuten, mit denen man sich dann am meisten auch umgibt, auch am meisten Gemeinsamkeiten hat und es dann besser funktionieren wird. Stefan: Ja, viele fragen immer, ob es nicht mal Probleme gibt, wenn Du mal jemanden feuern musst, aber wenn Du mit den Leuten ehrlich bist, egal ob Freunde oder nicht und es ist sehr transparent, dann musst Du einen auch nicht feuern oder sie machen wirklich etwas absichtlich sehr schlechtes. Wenn das Freunde sind, dann wäre sowieso die Freundschaft zerbrochen. Aber ich erwarte einfach nicht, dass das passiert. Ehrlich gesagt, ich denke nicht soviel über die Sachen nach. Wenn es passiert, dann kümmere ich mich drum. Bisher passt einfach alles. Marcus: Genau, das halte ich mittlerweile auch so. Arnold Schwarzenegger ist uns ja auch jedem ein Begriff. Er war ja nicht nur ein erfolgreicher Sportler, Unternehmer oder Politiker gewesen, sondern er war auf vielen Ebenen des Lebens extrem erfolgreich. Und er sagte auch, er hat sich um Probleme immer erst gekümmt, wenn sie aufgetaucht sind. Und ich war früher auch so ein Grübler oder ein Typ, der sich verrückt und wahnsinnig gemacht hat, was alles eventuell schief gehen könnte und war dann so blockiert und gehemmt, dass ich gar nicht erst losgelegt oder angefangen habe. Seitdem sich das so ein bisschen geändert hat in meinem Mindset, fallen mir die Dinge sehr viel leichter und das Leben macht auch viel mehr spaß. Stefan: Ich bin in der Hinsicht auch total entspannt. Ich habe auch vorhin erwähnt, dass eigentlich alle Entscheidungen, die ich getroffen habe, waren komplett risikofrei, weil ich nie etwas zu verlieren hatte. Ich lebe halt immernoch diesen minimalistischen Lebenstil. Ich meine, wir haben gut Geld verdient mit der Firma, aber ich nutze es einfach nicht. Ich habe ein kleines Sicherheitspaket, was eigentlich schon viel zu hoch ist, weil ich es nicht brauche, aber… Marcus: Wie hast Du das angelegt? Stefan: In Aktien, in Index-Fonds. Marcus: Ja in ETFs. Stefan: Ja genau. Selbst wenn alles irgendwie schief geht, dann könnte ich ohne Probleme irgendwie Geld verdienen. Sei es jetzt als Yoga-Lehrer oder als Kite-Lehrer am Strand. Ich finde da immer irgendetwas, weil ich einfach keine Ausgaben haben. Ich habe keine Hypothek zu bezahlen. Ich habe sonst keinen Kredit, gar nichts. Marcus: Ja, das ist soviel wert. Das ist auch das, was soviele Menschen auch gar nicht greifen können. Die sagen: Hey, Feli und Du, ihr seid die ganze Zeit am Reisen. Ich könnte das nicht machen. - Weil die Leute halt ihre laufenden Ausgaben zuhause noch haben und völlig überversichert sind und vielleicht doch mehr Miete zahlen und das Auto noch da steht, und der Pay-TV Kanal bezahlt werden muss. Und diese ganzen Sachen, wenn man die auf Null runterfährt und nur noch, so wie ich, mit drei T-Shirts von der gleichen Marke und zwei Hosen, da braucht man dann auch nicht viel Geld zum Leben. Hast Du denn so etwas wie eine Homebase oder würdest Du sagen, Du bist Weltbürger und überall zu Hause, überall gleich gerne zu Hause? Oder hast Du mehr Strand-Desties oder bist Du eher in Städten wie Barcelona zu Hause? Stefan: Also Städte gar nicht mehr so arg. Ich habe drei Jahre lang in Barcelona gelebt, das hat mir auch super gefallen. Aber irgendwann wurde es mir dann zu viel. Ich war immer schon ein Naturmensch, aber das hat auch ein Weilchen gedauert, bis ich das realisiert habe, dass ich viel lieber in der Natur lebe. Das ziehe ich inzwischen auch durch. Ich lebe seit einanderthalb Jahren in einem Camper Van und reise mit dem eigentlich in Europa an der Küste entlang. Also im europäischen Sommer. Zwischen Südspanien, meistens Tarif zum Kitesurfen, dann auch in der Gegend von Barcelona oder hier in den Bergen, also in den Pyrenäen; Frankreich an der Küste entlang, dann Italien wieder über die Dolomiten in die Alpen. Da verbringe ich sehr viel Zeit in Tirol in Österreich. Ab und zu bin ich auch im Schwarzwald bei meinen Eltern. Marcus: Cool, hast Du denn mittlerweile ein Setting aufgebaut, dass Du von überall arbeiten kannst? Ist der Camper entsprechend ausgestattet oder hast Du Deine Lieblings Co-Working Spaces? Stefan: In Co-Working Spaces bin ich gar nicht so oft. Ich arbeite am besten, wenn ich alleine bin. Ich arbeite schon mit anderen zusammen, aber ich brauche auch meine Ruhe. Ich habe für den Camper Solarzellen für die Stromversorgung und habe auch drei Batterien im Auto. Internet beziehe ich eigentlich nur über Sim-Karten, also 3G und LTE. Deutschland ist da in Europa noch relativ teuer, aber alle anderen Länder sind da extrem günstig. In Österreich zum Beispiel bekommst Du unlimited Data für 18 Euro pro Monat. In Spanien bekommst Du 20 GB für 30 Euro. Marcus: Ja ja. Bei Vodafone oder so ist es ja arg teuer. Und bei dem österreichischen Tarif kannst Du auch über Dein Notebook reingehen, das ist dann kein Problem? Stefan: Genau. Ich habe dann einfach eine Sim-Karte in meinem Handy und dann verbinde ich das mit meinem Laptop. Marcus: Ja, mega spannend. Vielen Dank für Deine Zeit! Vielleicht verrätst Du noch zum Schluss, wo es für Dich als nächstes hingeht und was so die nächsten Stationen sind. Stefan: Ja, der Sommer ist jetzt eigentlich für mich Konferenzen. Ich werde zu Deiner Konferenz, der DNX Global nach Berlin fahren. Dann verbringe ich ein bisschen Zeit in Tirol zum Mountainbiken und Wandern. Dann komme ich wieder zurück nach Barcelona, da ist die Mikro-Conf Ende August. Dann gehe ich nach Tarifa für zwei Monate zum Kitesurfen und Remote Working. Und dann überlege ich, ob ich danach nach Marocco gehe ins Sun Desk. In das Co-Working Space und Surf Camp. Und dann ist unsere letzte Mitarbeiterin bei Mobile Jazz aus Mauritius. Wir planen eigentlich, wie wir letztes Jahr in Thailand waren, dieses Jahr einen Trip nach Mauritius zu machen mit der Firma und dort unsere Zelte aufzuschlagen. Marcus: Sehr cool. Das klingt nach einem bewegten Leben, nach viel Spaß und ich glaube, Du bist jemand der im Jetzt lebt und für sich entdeckt hat, was ihn glücklich macht und genau nach diesen Werten lebt. So soll’s sein! Danke, Peace and Out! Stefan: Peace ande Out! [/su_spoiler] [/su_accordion]